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21. August 2013 - Irischer Terrier oder Schweizer Bergziege?

Sie hat es ja versprochen, die kleine Dílis: Und schon sind sie da, die wunderschönen Fotos von ihren Ausflügen in die Berge. Und ihr Bericht ist wieder richtig spannend. Wir haben uns riesig gefreut darüber und wünschen wieder viel Spaß beim Lesen und Gucken...
Alp 01
4. 9.2013
Hallo liebe Zwei-und Vierbeiner,
vor ein Paar Tagen habe ich meine erste Steuerrechnung gekriegt, ich bin nun also ein vollwertiger Einwohner, weder ein Baby noch ein halber Hund! Dr. Higgins hat da völlig recht sich zu wehren (Higgi-Baby.... Hi, hi...).
Zweibeiners haben mir die Berichte der anderen D-chen vorgelesen. Ich seh schon, Ihr habt alle ähnliche Probleme und Abenteuer. Meine Zweibeiner sind echt stur und so konnte ich meine Barfuss-Initiative leider nicht durchbringen. Hier geht die Demokratie nämlich pro Kopf und nicht pro Pfote. Ausserdem wurde es echt eng in meinem Plätzchen, die haben sehr viele Schuhe.
Auch ich habe inzwischen viel erlebt, das Schlimmste war ein Elektroschock bei einem Widschweinhaag (Zaun) um ein Maisfeld. Echt fies so was!! Ich warne Euch alle! Meidet diese gelben Bänder, vorallem als Terriers, mit der Rute stets oben (Herrchen hat nachher so etwas wie „Stromabnehmer einziehen“gesagt). Ich habe etwas Herzrasen gekriegt und meine Verdauung geriet wegen dem Schock durcheinander, aber ich hab das Erlebnis gut weggesteckt.
Dann hatten Zweibeiners auch einen Wochenkurs hier und es waren 6 Leute zu Besuch. Alle haben mit mir gespielt und mir Komplimente gemacht, das liess mich den Schreck auch schnell vergessen. Komplimente verstehe ich nämlich auch auf französisch und italienisch. Auch Deutsche waren dabei, ich hab fast ein wenig Heimweh gekriegt, als ich sie reden hörte. (Das hört die Ziehmama gern ;-) Aber so bin gar nicht dazu gekommen den versprochenen Bericht zu schreiben. Jetzt aber:
Bergterrier und Rinderohren
Also ich wohne, wie Ihr wisst am Zürichsee und bin also eine Unterländerin. Zweibeiners sagten, das müsse dringend korrigiert werden und es sei höchste Zeit, etwas Bergluft zu schnuppern und der Verwandtschaft vorgestellt zu werden. Gegen Ende der Autofahrt merkte ich, dass etwas anders war als sonst. Ich musste nämlich mehrmals laut gähnen, weil ich so einen eigenartigen Druck in den Ohren hatte. Zweibeiners meinten dann, das hätte mit der Höhe zu tun. Wir sind schliesslich nach vielen Kurven aus dem Auto ausgestiegen und ich hab sofort gemerkt, dass Bergluft viel toller ist: Geruch nach Tannenwäldern, Heu und Blumenwiesen und nach komischen Tieren und auch nach Fressbarem. Wir waren nämlich im Bergbeizli bei der Verwandtschaft meiner Zweibeiner und die haben neben einer Küche im Maiensäss und auch viele Esel nebenan.
Nachdem ich mich vorgestellt habe und die gebührenden Streicheleinheiten bezogen habe sind wir dann gestartet.
Hier gibt es riesige Maulwurfshügel, die wirklich zum Graben einladen. Aber Zweibeiners packten Rucksäcke aus und wollten losmarschiern. Ich habe die Rucksäcke inspiziert und festgestellt, das sie voll sind – ich also nicht etwa eingepackt werde. Und oben drauf hatte es eine tolle riesige Kuscheldecke extra für mich!
Der Marsch über die stotzige Kuhweide war recht anstrengend. Vor den Kühen habe ich schon Respekt, die sind riesig und machen mit den Glocken einen beängstigenden Lärm, wenn sie so nah bei mir sind. (Aber Dìlis, erinnerst du dich nicht an die Kuhglocke, die die Ziehmama schon in Krefeld für diech aufgehängt hatte? ;-) Ich habe Mühe zu glauben, dass das die Tiere mit den Rinderohren sind, die ich so gern fresse. Mein Zweibeiner hat mich hochgehoben um das besser anschauen zu können, aber die riesige nasse Rindernase auf meiner kleinen Nase hat mir die ganze Sicht verdeckt. Danach habe ich dann eher auf respektvollen Abstand geachtet und bin ganz brav bei Fuss gelaufen. Also Sennenhund streiche ich von meiner Berufswahlliste. Angekommen war ich recht müde und bekam das Futter sogar an die schöne neue Kuscheldecke serviert.
Bald habe ich dann aber die Umgebung ausgekundschaftet. Das ist gar nicht so einfach wie Ihr denkt, ich musst immer wieder hochspringen, um etwas Überblick zu kriegen, was mit "Hase" kommentiert wurde. Und zwischendurch bin ich in Entwässerungsgräben gefallen, dazu gabs zum Glück keinen Kommentar. Zweibeiners sagten ich soll ein bisschen warten, das Gras müsse eben dringend gemäht werden. Das haben wir dann gemacht: Das heisst das Mähen habe ich ihnen überlassen, die brauchen dazu so lärmige Maschinen. Aber beim Rechen habe ich dann fleissig geholfen.
Mit kurzem Gras ist es viel einfacher herumzurennen und den Überblick zu behalten. Ich habe sogar einen Aussichtsstein gefunden, der vorher im Gras versteckt war, und Jagdhundstellung geübt. Die Entwässerungsgräben habe ich mit freier Sicht auch sofort gefunden, die finde ich wirklich toll. Dort gibt es so gut riechende schwarze weiche Moorerde Zweibeiners meinten, Fangobehandlung sei ja gut aber vielleicht müssten sie mir ein Fähnchen an den Schwanz binden um mich orten zu können. Ich trau denen ja sowas zu, aber zum Glück war das nicht ernst gemeint,
Nach dem Heuen haben Zweibeiners dann noch ausgeholzt. Herrchen legte dann auch ein Gstältli und ein Seil an und verschwand im Abgrund. Ich dachte schon ich sei allein mit meiner Kletterausrüstung.
Natürlich habe ich auch beim Holzen geholfen, ich habe ja bald begriffen, dass es Holz braucht um zu heizen und zu kochen. Ich habe Äste geschleppt und dabei gemerkt dass das frische Tannenholz so richtig lecker nach Harz schmeckt. Ich finde inzwischen sowieso dass Tannen super sind. Da gibt es überall jede Menge Zapfen zum Kauen und so richtig lohnend grosse Rindenstücke neben dem Scheitstock, nicht nur so mickrige Schnipsel wie zuhause. Auch zum Kraxeln sind Bergwälder viel besser, der Nadelteppich ist schön weich aber gar nicht rutschig wie im Laubwald. Zudem riecht es überall so spannend und man kann super gut rumwühlen. Ich bin also ein rundum zufriedener Bergterrier geworden, aber leider mussten wir wieder zurück ins Unterland.
 
Militärbürsten und Stockmonster
Ich bin befördert worden und gehe nun in eine Hundespiel-und Lernstunde für Erwachsene. Ich bin zwar die Jüngste dort aber alle haben mich herzlich willkommen geheissen und ich habe sofort allen gezeigt was in mir steckt und bin schnurstracks durch das Tunnel mit dem langen losen Ende gerannt.
Nach der Spielen durfte ich auch endlich auf diese Wippe und ich habe den Trick mit dem Kippen sofort kapiert. Naja, Ihr wisst ja ich bin für Kraxeln und Geländesport und finde andere Disziplinen etwas schwieriger.
Ich habe mich aber sehr zusammengenommen und mit der Nein-Übung mit Futter am Boden alle beeindruckt. Aber an meinen neuen Spielkameraden vorbei spazieren und so zu tun, als würde ich die nicht mal sehen, finde ich viel verlangt und auch fast schon unhöflich. Megablöd finde ich auch das Warten in der Ecke bis ich endlich drankomme. Ich habe meine Meinung natürlich mit Gefiepe laut mitgeteilt. Merkwürdigerweise haben alle andern Hunde nicht protestiert und wurden dafür dann gelobt!
Eine Zumutung fand ich auch, dass zwischendurch alle Zweibeiner Znüni gegessen haben und ich dabei angebunden zusehen sollte! Auch hier hat mein Protest nichts genützt und mein Versuch die blöde Leine durchzuknappern hatte auch kein Erfolg. Immerhin haben wir Vierbeiner dann aber doch noch jeder ein Stückchen vom Znünizopf gekriegt und ich habe auch alles was die anderen gebröselt haben sauber aufgeputzt.
Ich bin trotzdem sehr zufrieden und versuche vielleicht das nächste Mal, auch etwas ruhiger zu warten – wie die Grossen.
Da ich so brav war, habe ich auch zwei Geschenke gekriegt. Das Intelligenzspiel für fortgeschrittene Hunde haben ich so schnell gelöst, dass alle Fotos unscharf geworden sind. Es ist ja wirklich kein Problem, die fein riechenden Trockenfutter-Häppchen zu erschnüffeln und die Schiebdeckel mit der Schnauze wegzuschieben. Ich bin auch mit dem Katzenmonster sofort fertig geworden und habe es vom Garten ins Haus getragen und unter die Kommode gezerrt.
Apropos Monster, ihr wisst ja schon ich habe so meine Probleme mit Bürsten und Besen und davon haben meine Zweibeiners eine ganze Menge. Nun sind sie auch noch auf die Idee gekommen MICH zu bürsten. Ich habe dann sofort dieses Bürstenmonster gepackt und untersucht. Ihr glaub es ja nicht, die wollten mich mit einer Militär-Kleiderbürste bürsten! Kein Kommentar!
Ich liebe Bergwälder, aber hier im Wald gibt es auch einiges zu entdecken. Am liebsten mache ich Geländesport in kleinen Bachtobeln. Mein Zweibeiner hat Euch aufgezeichnet, wie das auf der Karte dann danach aussieht. Natürlich ist das sein GPS-Track, ich habe da noch ganz viele extra Zicks und Zacks mehr gemacht, inzwischen bin ich ja flinker als meine Zweibeiner. Ich bin froh, dass Sie mir das Kraxeln beigebracht haben und wir zusammen so viel in den Bächen gespielt haben. Ich finde die wirklich viel spannender als die Wege. Ich kann da durch und über den Bach hopsen und wenn nötig wate ich sogar durch. Schlamm oder Wasser bis zum Bauch beeindruckt mich schon längst nicht mehr. Und dann gibst auch noch Röhren unter den Wegen durch und interessante Moospolster und und...
Liebe Geschwister, ich empfehle Euch wirklich sich da tiefer als bis zur Wolfskralle rein zu wagen.
Auf den Wegen gibt es nämlich Bedrohlicheres als Wasser am Bauch. Es sind zum Beispiel immer wieder mal Stockmonster unterwegs. Die tönen fast noch lauter als die Riesentiere mit den komischen Pfoten. Es sind abartige Zweibeiner die mit zwei Metall-Beinprothesen zu Vierbeinern werden wollen. Meine Zweibeiner erklären mir, dass nenne sich Nordic-Walking und müsse halt einen solchen Lärm machen. Ich bleibe bei denen noch misstrauischer als bei den Rössern. Diese lärmen zwar, aber produzieren dafür die attraktiven Rossbollen (Pferdeäpfel). Aber meine Zweibeiner sagen leider immer NEIN wenn ich an denen rumknabbere. Wegen eventueller Medikamentenüberdosis darin, meinen sie. Die versauen aber auch wirklich alles, die Dinger schmecken doch so gut.
Auf den Wegen üben wir auch immer statt SUCH und RAUF und HOP, wie im Gelände, Langweiligeres wie STOP, ALLEZ, FUSS. Ich kann das aber auch schon einigermassen, aber es ist halt doch nicht meine eigentliche Disziplin. Erst richtig Spass hat mir die Sache gemacht, als Herrchen mit mir gerannt ist und ich dann immer ohne die Leine zu spannen neben ihm angehalten habe – Mann wurde ich gelobt. Aber nach einer Weile wurde mir auch das langweilig. Bei STOP haben uns Zweibeiner überholt, die Herrchen Jogger nannte. Wir haben Sie dann auf ALLEZ (Zweibeiners sagen, etwas besser Französisch lernen tue mir gut) verfolgt und sogar etwas aufgeholt (mit fliegenden Ohren und Zunge aber dann rief Herrchen schon wieder STOP. So was Blödes, wir haben sie so natürlich niemals eingeholt, aber ich wurde auch langsam müde. Mit Vergnügen habe ich dann gesehen, dass Herrchen inzwischen einen roten Kopf bekommen hat. Das kommt halt vom vielen STOP.
Wenn es Euch, liebe Geschwister auch so geht, empfehle ich eben den Geländesport im Bach, das wird nie langweilig.
Und zuletzt noch ein Bildchen zur gesunden Ernährung, sonst denkt Ihr noch ich lebe von Tannzapfen und Rinderohren.
Jetzt reicht es mir mit Berichte schreiben und vor allem mit fotografiert werden.
Her mit dem Fotoapparat, Ihr Paparazzi!
Liebe Hundegrüsse mit einem grossen Schlapp an Euch alle.
Dílis
Und hier nun die vielen schönen Beweisfotos zu Dìlis' aufregendem Bericht.

Liebe Iris, lieber Peter, wir haben uns köstlich amüsiert und bedanken uns sehr dafür, dass Ihr uns so toll auf dem Laufenden haltet!

 

PS:Lieber Higgins ich frage mich warum Du Dich in einen Kartonschachtel setzen lässt ohne auszubrechen? Ich konnte Zweibeiners überzeugen, dass ich nun ein grosser Hund bin und Karton nicht mehr in Pap-Maché verwandle und verschlucke, darum haben sie mir diesmal eine Schachtel gegeben. Nach 15 Min. war ich durch. Gut zu wissen dass für Terrierpfoten und -Gebiss Karton kein Problem ist, von Schachtel müssen wir uns also nirgends zurückhalten lassen. Am Leinenproblem muss ich hingegen noch arbeiten, die Dinger sind zäher. Ups - Pardon, ich habe mir ja vorgenommen wie die grossen Hunde brav und ruhig zu warten, wenn ich angebunden werde.
Übrigens ich habe mich auf die Personenwaage gesetzt und auch mal geguckt wie schwer ich bin: Bloss 6.2 kg. Vielleicht fresse ich doch zuviel Rüebli, aber Du bist ja schon immer der Grösste von uns gewesen.