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8. Oktober 2013 - Leberwurst, Roquefort und Oliven...

Die kleine Dílis ist nun schon in der Junghundegruppe und zum echten irischen Feinschmecker geworden. Was sie sonst noch alles in den letzten Wochen erlebt hat, steht im aktuellen Bericht. Wir haben wieder schmunzeln müssen und wünschen allen KENAVO-Freunden viel Spaß beim Lesen. Beweisfotos gibt es natürlich auch wieder ganz viele!
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                                                                                                                    28.09.2013

Hallo liebe Zwei-und Vierbeiner

Wir D-chen sind ja nun alle ernstzunehmende Junghunde geworden und wir müssen wohl alle in die Schule gehen. Eigentlich lerne ich ganz gern, solange es nicht langweilig wird, aber eben manchmal ist es mir sehr schnell langweilig und mir wird die Überei bald zu blöd. Merkwürdigerweise haben andere Hunde scheinbar viel mehr Geduld?
Natürlich gehe ich nicht dauernd in die Schule seit ich Junghund bin. Ich geniesse das Leben, bleibe gelassen und ich spiele immer noch viel am See.

Um das Zahnen erträglicher zu machen habe ich einen riesigen Kuschelknochen gekriegt, den schleppe ich nun im ganzen Haus herum. Der ist super zum spielen und zum schlafen und wenn ich reinbeisse vergess ich das Zahnen.

Ich gehe mit meinen Zweibeinern in einen Erziehungskurs in dem wir Hunde auch viel spielen dürfen. Ich habe auch schon einiges von den erwachsenen Hunden abgeguckt und gelernt. Ich akzeptiere inzwischen auch, dass ältere Hunde nicht immer mit mir spielen wollen und ich ganz lieb mit den Ängstlichen und Kleinen sein muss.

Ausser spielen gibt es auch viel Üben und Turnen auf all den Hindernissen und zwischendurch heisst es immer wieder „Fuss“, „Bleib“ und so. Wir kriegen auch Hausaufgaben und ich übe nun immer ordentlich auf einer Seite gehen und am Trottoirrand absitzen – „Fuss“ eben. Absitzen und wieder loslaufen ist ja ganz OK, aber an einer kurzen Leine einfach an all den spannenden Schnüffelecken vorbeilaufen ist blöd. Zum Glück üben wir das immer nur ein paar Meter und dann krieg ich eine Belohnung. Um mich zu motivieren wurde Zweibeiners Leberwurst empfohlen. Ich habe das Zeugs gut gefunden und in einem unbemerkten Augenblick die Tube ergattert. Zweibeiners haben den Rest dann in eine Hundetube gerettet und streng rationiert fürs Üben. Schade!

Zusätzlich gehe ich in die obligatorische Hundeschule. Hier bei mir im Kanton Zürich gehören wir Irish Terrier zu den grossen und/oder massigen Hunden und so muss ich noch 5 Stunden mehr in die Schule als die kleinen. Die machen nur einen 5-stündigen praktischen Sachkundekurs.

Seit ich 16 Wochen alt bin gehe ich nun eben in diesen obligatorischen Junghunde-Praxiskurs mit meiner Zweibeinerin. Die ist nämlich meine offizielle Halterin. Das heisst wohl sie hält die Leine, aber das macht mein Zweibeiner auch und der darf nicht in den Kurs. Die Zweibeinerin kriegt dann einen Sachkundenachweis dafür dass ich brav bin. Mein Zweibeiner kriegt keinen Nachweis und auch ich kriege kein Diplom, obwohl ich ja alles tun soll. Irgendwie ist mir das zu kompliziert.

In der ersten Lektion musste ich allerdings rein gar nichts machen. Das heisst wir sollten die ganze Stunde still sitzen und einem Vortrag zuhören, puh wie langweilig! Zweibeiners erhielten einen Stuhl und auch noch Papiere zum lesen. Wir 6 Hunde sollten einfach unterm Tisch sitzen und zuhören.

Es war scheusslich kalt und meine Zweibeinerin hat mich dann vom kalten Betonboden auf den Schoss genommen. Dort hatte ich dann einen viel besseren Überblick und wurde auch von meinen Hundekollegen unter dem Tisch nicht mehr abgelenkt. Trotzdem, ich fand den Vortrag langweilig. Ich hatte gehofft einige Tipps zur Erziehung meiner Zweibeiner aufzuschnappen, aber da gab es nichts Neues zu erfahren. Ausserdem weiss ich doch schon längst dass ich ein lernbegabtes soziales Wesen bin und Konfliktmanagement beherrsche.
Nur die Klickerdemonstration hat mich völlig aufgeschreckt - meine Zweibeinerin auch – wir haben wohl beide nicht so gut aufgepasst. Ich gebe ja zu es war mir langweilig und so habe halt zum Fenster herausgeschaut und alle ausserordentlichen Vorkommnisse mittels Ohrenspitzen und ganz dezentem Fiep meiner Zweibeinerin mitgeteilt, dass Sie auch ja nichts verpasst. Ich habe es mir dabei richtig gemütlich gemacht: Bauch nach oben, alle Viere von mir gestreckt und den Hals lang gereckt Richtung Fenster.

Tja und darum haben dann alle gedacht ein Irish Terrier sei wohl ein Schosshund. Als wir Hunde dann nämlich endlich noch etwas spielen durften waren die Zweibeiner echt besorgt um mich. Ich bin natürlich sofort mit meinem Tischnachbarn losgerast und weil der etwa 3 x so gross wie ich ist, habe ich seine Breitseiten wie gelernt elegant abgerollt. Ich weiss inzwischen auch, dass meine Hakentechnik und mein Ausnutzen der Umgebung wie Verschwinden unter einem Spielgerät und Slalomlaufen um die Beine der herumstehenden Zweibeiner alle grossen Hunde aus dem Konzept bringt. Meine neue Spielkollegin ist dank Königspudelpostur aber viel wendiger als Labis oder Berner Sennenhunde und so habe ich das Austricksen ganz gern als kleine Pause genutzt und etwas Luft geholt. Ich bin ja auch die jüngste Teilnehmerin des Kurses. Wenn ich grösser bin habe ich dann sicher auch mehr Schnauf.

In der zweiten Stunde ging es dann auf die Wiese und wir Hunde sollten hinter Leckerchen herlaufen und an verschiedenen Orten Sitz machen. Auch nicht gerade spannend, fand ich. Nachdem ich einige Male demonstriert habe, dass ich Sitz kann, ist es mir wirklich verleidet. Einmal durften wir immerhin auf Abruf an einem Futternapf vorbeirasen. Alle anderen Hunde haben scheinbar gar nicht gemerkt, dass der leer war und liefen zu den vermeintlichen Leckerli statt zu ihrem Zweibeiner.

Ich glaub das liegt daran, dass andern Hunde in diesem Kurs alle dauernd Leckerli kriegen, die sie immer unglaublich schnell herunterschlucken. Ich habe die verschiedenen Leckerli-Döschen und Beutel natürlich gewittert. Die haben Cervelat, Käse und sonst spannende Sachen darin. Ich kriege beim Üben manchmal Trockenfutter aus dem Hosensack, ich mag das sehr gerne und kaue dass dann genüsslich. Vor allem werde ich aber immer ausgiebig gelobt und geknuddelt wenn ich etwas richtig mache. Das dauert halt dann etwas länger bis wir zur nächsten Übung parat sind. Macht ja nichts, meistens wird sowieso immer auf irgend was gewartet.

Ich glaube meine Zweibeinerin passt darum manchmal auch nicht so recht auf. Das letzte mal hätten wir die Schleppleine kennen lernen sollen und jeder von uns Vierbeinern kriegte eine angelegt. Diese Schulschleppleinen haben aber eine Schlaufe am Ende, und die hätte meine Zweibeinerin halten sollen, damit ich in 5m Distanz von Ihr spazieren gehen soll. Die hat das nicht kapiert und mich die Schleppleine alleine schleppen lassen. Ich versteh langsam warum die Zweibeiner einen Fähigkeitsausweis kriegen und nicht wir Vierbeiner.

Es hat sich aber in meinem Leben schon einiges geändert seit ich grösser bin:
Zweibeiners haben das Weidegitter im Garten entfernt und ich kann nun im ganzen Garten rumrasen . Sie haben dafür sogar den ganzen Hang gemäht. Ich finde die Wiese und den Garten im Herbst sehr spannend, es gib nämlich Fallobst. Äpfel fresse ich gerne, aber einmal habe ich einen Teil einer Birne gefressen, von der kriegte ich dann Dünnpfiff, die lass ich wohl lieber am Boden liegen. Es gibt auch Mandeln zum spielen, die kullern so schön rum, schmecken aber gar nicht. Zweibeiners sammeln die Kerne, mit denen kann man aber nicht recht spielen, ich weiss nicht was die damit machen. Im Gemüsebeet unten gibt es kleine rote Tomaten, die sind auch nicht schlecht. Wenn ich ganz sorgfältig draufbeisse spritzt es mir in die Schnauze. Nur bei den Trauben wird immer „Nein“ gebrüllt, die seien giftig sagen die dann. Zweibeiners und die Spatzen sehen aber ganz gesund aus?

Im grossen Garten gibt es auch Hecken und Gebüsch. Zweibeiners haben dort rumgesägt und ich habe nachher beim Aufräumen viel geholfen und Stecklein herumgetragen und fleissig geschreddert. Ich habe nun eine grosse Auswahl an schönen mundgerechten Stücken vor dem Haus. Die frischen Äste lassen sich nicht schreddern, die feuchten Weidenäste lassen sich super schälen und beknabbern. Zweibeiners meinten ich krieg bei meiner Aspirinkur garantiert keine Erkältung.

Kürzlich habe ich es geschafft die aufdringliche Katze zu verjagen. Die sass einfach stinkfrech in meiner schönen frisch gemähten Wiese und hat mich angeglotzt. Schön blöd, dort hab ich sie sofort durchs Fenster gesehen. Naja meine Zweibeinerin hat mir Rückendeckung gegeben, als ich wegen dem Eindringling unbedingt hinaus wollte, aber geknurrt habe ich ganz allein.

Sonst ignoriere ich alle Viecher brav, nur die frechen jungen Spatzen reizen mich manchmal zu einem kurzen Galopp. Letzthin wollte doch einer meinen harten Brotzipfel bepicken. Also ehrlich, das muss man sich doch von diesen fremden Viechern nicht bieten lassen.

Als Junghund habe ich nun ein schön gelbes Profi Apportierdummy, das nicht nass wird, ein schickes Sportgstältli und eine orangen Schleppleine. Mit dieser Ausrüstung erkunden wir nun ausgiebig den Wald: Bächlein, Schlamm, Löcher, Pilze, Baumstrünke... Ich untersuche alles und klettere auf die meisten Strünke am Weg. Ich habe ja schon im in Krefeld gelernt, dass man von der erhöhten Lage einen viel besseren Überblick hat. Und ich kann dann mit Zweibeiners besser kommunizieren – ich muss so beim Besprechen des weiteren Vorgehens nicht so weit hinauf schauen. Die Strünke sind hier manchmal recht schwierig zu erklettern, aber ich kann immer besser klettern und finde auch meist den versteckten Futterdummy oder das Trockenfuttermöckli, das Zweibeiners immer an schwierigeren Orten und immer höher oben verstecken.

Wegen den Schlammlöchern wurde ich das letzte Mal so dunkelbraun, dass ich die erste Dusche meines Lebens nehmen musste. Igitt, und das machen Zweibeiners freiwillig um schöner zu sein! Ich habe mich dann unter die Decke verkrochen und gewartet bis ich wieder trocken wurde. Sauber und trocken durfte ich dann so richtig den Fauteuil mit geniessen und kuscheln.
Ich fand mich nach der Dusche allerdings nicht schöner als vorher. Aber Schönheit ist sowieso so etwas komisches. Als ich klein war habe ich die Ohren der Schönheit willen geklebt getragen, das hat mich total genervt. Nun trage ich die Ohren offen und kann meine Ohren super in alle Richtungen drehen. Meine Zweibeiner reden von Radarschüsseln und meinen ich sei ein Flaggentelegraph. Von den andern Zweibeinern kriege ich überall Komplimente wegen diesen herzigen Ohren. Im Tierladen verdiene ich mir damit Leckerli und im Erziehungskurs kriege ich sogar Ohrenbonus bei den Übungen. So kann ich mit den Erwachsene mithalten ;-)

Ich lernte inzwischen auch kulinarisch einiges dazu. Ihr wisst ja mein Reich ist die Küche und damit Zweibeiners dort kochen können bekomme ich als Abgabe alles was dabei auf den Boden fällt. Und so degustiere ich fast Alles was die so essen. Zweibeiners sagen ich sei eine richtige „fine bouche“ (oder fin nez) und wohl gar kein rechter Ire sonder eher ein französischer Terrier. Ich liebe nämlich Roquefort über alles, mag schwarze Oliven, Crème fraiche, Trockenschinken und _Wurst und Knoblauch krieg ich sowieso immer in meinem Futter. Dazu verschmähe ich auch einen Tropfen (auf dem Boden) Rotwein nicht und beschnüffle und beknabbere immer die Weinzapfen unter der Sitzbank. Das alkoholfrei Bier, das Zweibeiners mir offerierten mag ich hingegen gar nicht - es war allerdings kein Guinness.

Der grosse geöffnete Garten und die Erkundungsgänge im Wald trösten mich etwas über die vermasselten Ferien hinweg. Zweibeiners haben mir nämlich versprochen nach Frankreich zum Zelten und Kanufahren zu gehen. Wir haben auch fleissig paddeln geübt. Ich weiss inzwischen, dass die das ganz gut können und konzentriere mich locker auf die Aussicht. Und ich habe extra dieses doofe Hello Kitty Pijama anprobiert. Das Ding sollte für die kalten Zeltnächte dienen, falls ich mal nass werden sollte. Nicht etwa, dass ich ins Wasser fallen könnte, ich bin da sehr vorsichtig beim ein- und aussteigen ins Kanu, aber es könnte ja regnen.

Und nach all dem haben die doch tatsächlich die Tollwutimpfung verpasst. Komischerweise müssen wir Hunde nämlich 20 Tage vor der Einreise in die EU geimpft werden. Zweibeiners haben das verlauert, denn hier bei uns in der Schweiz muss kein Hund geimpft werden, wir sind tollwutfrei. So geht es erst im nächsten Frühling zum Paddeln in den Süden. Schade ich habe mich schon gefreut, wegen dem Roquefort uns so. Den kann man auch mit Zahnlücken prima essen :-)

Ganz liebe Grüsse von Eurer zufriedenen Dílis

Und hier nun die neuen Beweisfotos zu Dìlis' ausfürhlichem Bericht.

Liebe Iris, lieber Peter, Ihr seid echt fleißig. Wir freuen uns sehr mit euch über eure abenteuerlustige und zufriedene kleine Dílis - und wir haben den Eindruck, dass Ihr auch sehr zufrieden seid ;-)

Danke für den neuen tollen Bericht!

 

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